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Die historische Entwicklung der Gemeinde St. Johann im Saggautal

Der Umstand, dass zwischen St. Johann im Saggautal und Untergreith sowie im Ehrenbühelwald, Ortschusterwald und im Oizingerwald antike Grabhügel gefunden wurden, lässt auf eine römerzeitliche Besiedelung des Gebietes schließen.
Dass dieses Gebiet im Mittelalter eine wirtschaftliche Bedeutung hatte, zeigen die Rester hunderter Eisengruben aus dieser Zeit.
Der Pfarrpatron, St. Johann Baptist, gab dem Ort seinen Namen, in dem der Vorgängerbau der heutigen Kirche bereits im 12. Jahrhundert genannt wird.

Um 1100 schenkte Graf Heinrich von Sponheim dem Stift St. Paul im Lavanttal den Hof, die Kirche und das Dorf Saggau.
Während das Dorf Saggau schon bestand, wurde für St. Johann nur die Pfarrkirche erwähnt.
Im Gegensatz zu Saggau, wo den Bauern aus vielen Fluren Ackerlose zugeteilt werden konnten, erhielten die St. Johanner Bauern je ein Ackerlos auf den drei Feldern des Kirchengrundes.

Das ganze Dorf, bis 1242 in der Hand Reinberts von Mureck als Lehensmann des Stiftes St. Paul, wurde in der Folge Stück für Stück an verschiedene Grundherren vergeben.
In den nachfolgenden Jahrhunderten wechselten mehrmals die Grundherren den Besitz rund um die Gemeinde.

1770 wurde erstmals eine Hausnummerierung durchgeführt und 1849 kam es zur Zusammenfassung von sieben Katastralgemeinden zur politischen Gemeinde St. Johann im Saggautal.
Die Bewohner wurden zu freien Staatsbürgern, mit dem Recht auf Schutz ihres Eigentums.

Die historische Entwicklung der Pfarre St. Johann im Saggautal

Allgemein wird St. Johann im Saggautal als eine der ältesten Seelsorgestationen in der Gegend bezeichnet.
Diese Behauptung würde auch im Patrozinium Johannes Baptist eine nicht unbedeutende Stütze finden.
Urkundlich kommt der Name Saggau, schon im Zusammenhang mit einer "ecclesia". um das Jahr 1100 zum
ersten Mal vor.
In einer zu dieser Zeit ausgestellten Urkunde, mit welcher die Söhne Engelberts von Sponheim von ihren Erbanteilen dem Kloster St. Paul in Kärnten Güter widmen,
finden wir die Nennung
"ecclesiam ad Saccah".
Siebzig Jahre später wird bei einer Aufzählung der Filialen der Pfarre Leibnitz unter anderen
"in Saccach sancti Johannis baptiste" erwähnt.
Diese Nennung ist durch das Aufscheinen des Kirchenpatrons eindeutig auf die heutige Pfarre St. Johann im Saggautal zu beziehen.
   Karte des heutigen Österreich mit Diözesengrenzen der Zeit um 1250
Das gesamte Gebiet unterstand damals der Erzdiözese Salzburg.
Auch als im Jahre 1218 die Diözese Seckau gegründet wurde, die zur dieser Zeit nur einen geringen Teil der heutigen Größe ausmachte, wurde das Gebiet um St. Johann im Saggautal nicht dem neuen Bistum eingegliedert, sondern verblieb bei Salzburg. Wohl aber wurden dem Bischof von Seckau bei der Dotation (Ausstattung) der neuen Diözese vom Erzbischof von Salzburg Erträgnisse aus Besitzungen in diesem Gebiet übergeben.
So erhielt er zum Beispiel
"triginta mansos aput fluvium qui (vocant) Geule, Saccah et Cirkenitz" (30 Huben bei den Flüssen Gal, Saggau und Zirknitz). 

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Die Entstehung der Pfarre St. Johann Baptist im Sagathale (Abschrift aus der Pfarrchronik)
Die Pfarre St. Johann Baptist im Sagathale (man findet in den ältesten Urkunden Sagathal, aber nicht Saggauthal verzeichnet, wie es in der neuesten reformsüchtigen Zeit benamet wird) gehört unstreitig zu den ältesten Pfarren des Bisthums Seggau. Gleich bei Errichtung des genannten Bisthums im Jahre 1217 wurde unter andern Rechten, die der Stifter des neuen Bisthums, Eberhard II, Erzbischof von Salzburg, dem Bischofe von Seggau anwies, die Kirche und auch ein Zehendorf zu Sakkach oder Sakkachthal ausdrücklich genannt. Hieraus ist erklärlich, wie die Pfarre und die Kirche von St. Johann unter das Patronat des Bisthums Seggau kam.
Die Pfarre St. Johann gehörte zu den größten des Bisthums und umfasste neunzehn große Ortsgemeinden, welche in einem alten Manuskripte in nachstehender Ordnung angeführt sind.

 

Arnfels 63 Häuser
Eichberg 123 Häuser
Gündorf 23 Häuser
St. Johann 38 Häuser
Kitzelsdorf 30 Häuser
Klein 71 Häuser
Kleingebirg 189 Häuser
Kohlberg 222 Häuser
Maltschach 22 Häuser
Mantra 55 Häuser
Narrat 11 Häuser
Nestelbach 21 Häuser
Obergreith 86 Häuser
Oberhaag 46 Häuser
Radiga 28 Häuser
Saggau 49 Häuser
Udelsdorf 5 Häuser
Untergreith 202 Häuser
Unterhaag 20 Häuser
zusammen

1304

Häuser

 

Zur Zeit, als sich das Luthertum in der Steiermark vom Norden sich immer mehr ausbreitete, verließ die Pfarrgemeinde St. Johann auch den katholischen Glauben und huldigte jener Lehre.
Der katholische Pfarrer wurde vertrieben und Andreas Zlabinger, protestantischer Prediger, leitete von 1574 - 1613 die Pfarre. Dieser hatte mit seiner Gattin Helena die damalige Simon Prauhartische Hofstatt (heute St. Johann Nr. 2) eigentümlich erworben, wovon noch der Kaufbrief vorhanden ist.
Die Pfarrbewohner waren sehr wütende Protestanten, denn als der Fürstbischof von Seggau diese Pfarre visitieren wollte, widersetzte sich der protestantische Pöbel dieser Gnade mit Gewalt.
Die übriggebliebenen Katholiken konnten nicht ihren Bischof in Ehren empfangen.
Dennoch fand die katholische Kirche in dieser Gegend eifrige Verteidiger. Ihnen gelang es die Pfarrgemeinde vom Luthertum zu reinigen. Namentlich gebührt diese Ehre hauptsächlich dem landesfürstlichen Emissär Freiherr von Paar, welcher den lutherischen, gemauerten Friedhof zu Arnfels zerstören ließ, die Kirche zu Arnfels mit Gewalt einnahm und den Kirchenschlüssel dem kath. Pfarrer von St. Johann übergab.
Darauf konnte die kanonische Visitation vom Fürstbischof wieder vorgenommen werden. In einem Visitationsprotokoll aus diesen Jahren wird vermerkt:

Häretiker gibt es hier keine ....

Bartholomäus Bergkmair, kath. Pfarrer von 1613 - 1624 in St. Johann, hat diese Hofstatt des protestantischen Pfarrers wieder verkauft.
Unter der Regierung des Kaisers Josef II. und unter dem Pfarrer Matthias Cajetan Michelitsch wurden in den Jahren 1781 bis 1787 von der Hauptpfarre St. Johann mehrere kleinere Pfarren exkardiniert und selbständige Seelsorgestationen errichtet, und zwar:

2. Dezember 1787 die Pfarre Klein und am 24. Februar 1788 die Pfarre Arnfels, dann wurde auch teilweise die Pfarre St. Ulrich in Greith von dieser Pfarre errichtet; letztendlich bekamen auch noch die Localie Kappel und die Pfarre Kitzegg einige Häuser.
Im Gegenteil ist aber eine unbedeutende Zahl Häuser von der Pfarre Leutschach in der Gemeinde Eichberg hierher zugewiesen worden.

Dermalen besteht die Pfarre St. Johann aus folgenden Gemeinden:

Eichberg 115 Häuser
Gündorf 28 Häuser
Goldes 16 Häuser
St. Johann 39 Häuser
Lieschen 21 Häuser
Obergreith 4 Häuser
Radiga 36 Häuser
Saggau 52 Häuser
Udelsdorf 5 Häuser
Untergreith 164 Häuser
Wuggau 10 Häuser
Wukitz 18 Häuser
zusammen 513 Häuser

Durch die Zerstückelung der Pfarre St. Johann verlor dieselbe nicht nur ihren vorigen Glanz, sondern sank auch zu einer einfachen Landpfarre herab.
Sie büßte nebst vielen Rechten auch die ihr gebührende Einkünfte ein.
So hatte die Pfarre St. Johann um 1788 eine Seelenzahl von 2827, für deren Seelenheil zwei Priester Sorge zu tragen hatten.

Durch die 1929 erfolgte Schaffung der Pfarre Oberhaag kam es ein letztes Mal zu einer Verkleinerung der ursprünglich sehr großen, für das Umgebungsgebiet als Mutterpfarre zu bezeichnenden Pfarre, zu der heute noch fünf Ortschaften mit 1071 Seelen gehören.

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  aktualisiert am 08.08.2011