Pfarre St. Johann im Saggautal Innenraum Renovierung 2002

Altarraumgestaltung

(von Hannes Fladerer)

Raumgefüge: Der barocke Raum

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Die Pfarrkirche St. Johann im Saggautal ist bestimmt von einer Abfolge von konkaven und konvexen Elementen, wobei die konkaven, d.h. einladenden, aufnehmenden und bergenden Formen überwiegen (z.B. Kircheneingang, äußeres Erscheinungsbild, Hochaltar).
Es gibt einen oftmaligen Wechsel von flachen, eckigen und runden, gebogenen Formen, zusammengefasst in architektonischen Schichtungen (als Kapitelabschlüsse, an der Fassade) und Staffelungen (Abfolge Rundbögen bis zum Hochaltarbild).
In der Vielfalt seiner komplexen Formen kommt diesem barocken Raum eine große aktive Bedeutung bei, Raumempfinden und Raumgefühl der darin Verweilenden werden aktiviert und gesteigert, der Raum in der Abfolge von Ruhe und Bewegung erlebbar.

Materialien, Farbe, Licht

es dominieren:
- Holz für Kirchenbänke, Chorgestühl, Sessio, Hochaltar, Wand und Stuck
- Stein für Fußboden, Taufbecken, Teile des Hochaltars
Die Farbwirkung beruht demnach vorwiegend auf braun, weiß, grau-schwarz und gold.
Licht wird als wichtiges Gestaltungsmittel eingesetzt - durch seitlich unbunte Fenster werden Teile des Inneren intensiv zum Leuchten gebracht, besonders der Bereich um den Hochaltar. Das belebende Spiel von Licht und Schatten, starken Reflexen und dunklen Bereichen unterstreicht die architektonische Vielfalt des Raumes.

Inhaltliche Motive

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Johannes der Täufer ist nicht nur Namensgeber sondern auch „Hauptmotiv“ im Hochaltarbild.
Er vollzieht die Geste des Spendens, der Aufnahme in die Gemeinschaft.
Wasser als lebensspendende Kraft, als reinigendes, in eine Gemeinschaft aufnehmendes Medium, als Symbol für Fortbestand, Übergang und Verwandlung wird als besonders wichtiges Element von Glaubensgemeinschaft und Messfeier hervorgehoben.

Altarraumgestaltung

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Durch die Renovierung (Ausmalen in Weiß, einheitlich heller Steinboden für den Altarboden) ist der Raum noch vornehmer, in seinen vollkommenen Proportionen deutlicher.
Altar, Ambo und Leuchter bilden durch Materialwahl und Farbe ein lichtes Zentrum, sammeln und abstrahlen die Energie.
Die feierliche Mitte ist der Altar - wie das Ambo aus hellem Stein - welche die vorhandenen Elemente steigern, die triumphierende Helligkeit des Hochaltarabschlusses aufgegriffen, und wirkt würdevoll und nicht starr.
Der Leuchter - aus Glas und Bronze - hebt sich als eigenes Element des Altarbereiches, mit der Bedeutung des Lichts besonders hervor.
Ausgehend vom Empfinden für den barocken Raum, das Thema des Altarbildes und der zentralen Bedeutung des Wassers für die Glaubensgemeinschaft spielt das Bogen- und Wellenmotiv eine besondere Rolle, und so wird der Altar, Ambo und Leuchter jeweils eigenständig aufgefasst.

Altar

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Der Tisch des Mahles wird zu einer Form der Begegnung, der Begegnung einer Gemeinschaft mit den Heiligen, zu einem Zeichen der Suche, des Aufgenommenwerdens und der Auferstehung.
Das Geheimnis der Inkarnation - der Himmel kommt zur Erde, wir werden in den Himmel erhoben - wird im Doppelwellenmotiv der Vorderseite angesprochen.

Sessio

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Die vorhandene Sessio, als Hinweis auf die Kontinuität des Priesteramtes, zeigt die vielfältigen Beziehungen von Altar, Ambo und Leuchter zueinander und zum Gesamtkirchenraum auf und strahlt einen eigenen Wert auf die ganze Gemeinschaft aus.

Ambo

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Vom Ambo wird das Wort Gottes als „Wegweiser durch die Zeit“ verkündet „Ich bin der Weg“.
Die exponierte Stellung des Ambos auf einer eigenen Standfläche unterstreicht diese Bedeutung und ist auch architektonisch als Bindeglied von Altarbereich und Kirchenraum.
Die neue Altarzunge als Einbau in den Bestand vertuscht nicht, sondern vermittelt, dass das Ambo in seiner dauernden Bedeutung zwischen zeitlich bedingten Ordnung (Barock bis 21. Jhdt.) steht. Seine Form selbst greift das Motiv von Festigkeit und Verwandlung auf. Nach seiner Taufe durch Johannes verwandelt Christus die herkömmliche Nutzung des Wassers, indem sein Gang über das Wasser die Ängstlichkeit des Menschen überwindet. Die „Frohbotschaft“ wird von einer schlanken, lichten, durch eine Glasplatte abgeschlossenen Form verkündet.

Leuchter

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Er vermittelt zwischen Erde und Himmel und veranschaulicht die Verwandlung von Materie in Energie.
Im Altarbereich wurde eine Steinplatte herausgenommen und die Öffnung mit Erde gestampft, in der der Bronzeteil des Leuchters wurzelt.
Seine spiralig gewundene Form greift das Wellenmotiv von Altar und Ambo auf, verweist auf die gedrehten Säulen im Tabernakelaufsatz.
Ein Glasteil umhüllt diese Form und trägt eine Glasschale mit drei Kerzen.

Proportionen

Modul ist die Zahl 12 (für die Gemeinschaft der Apostel), die in allen Proportionen vorkommt.
Altar   Höhe und Breite   8 x 12 = 96
    Vorderkante unten   12 x 12 = 144
    Vorderkante oben   12 x 12 = 156
    Hinterkante oben und unten   14 x 12 = 168
Ambo   Breite   1 x 12 = 12
    Länge (für die 4 Evangelisten)   4 x 12 = 48
    Höhe hinten   9 x 12 = 108
    Höhe vorne   10 x 12 = 120
    Sockelform   48 x 12 = 576
    Glasplatte   12 x 12 = 2400
Leuchter   Durchmesser   1 x 12 = 12
    Höhe (mit Kerzen) ca.   15 x 12 = 180
    Glasplatte Durchmesser   3 x 12 = 36
Das Ambo und der Altar sind aus weißem Thassos Marmor, Leuchter aus Bronzeguss und hitzebeständigem Glas.

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